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GRAND PRIX VON AUSTRALIEN

(Melbourne, 27.03.2011)

Die Rennstrecke Tribünen-Tipps
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DIE RENNSTRECKE IM ALBERTPARK

Der alljährliche Saisonauftakt im Albert Park von Melbourne ist für die Teams die Stunde der Wahrheit. Jetzt zeigt sich, wo Technik und Fahrer stehen, und so manches sensationelle Testergebnis ist nach dem ersten echten Härtetest nicht mehr viel wert. Die in Australien im Vergleich zu den europäischen Teststrecken in der Regel viel höheren Temperaturen dürften für die oft hohe Ausfallrate bei diesem Rennen mitverantwortlich sein. Durch den Wechsel von schnellen Geraden und langsamen Kurven werden die Bremsen der Fahrzeuge stark belastet. So fiel Heinz-Harald Frentzen 1997 in Führung liegend durch einen Bremsendefekt aus. Auch erfahrene Fahrer bremsen vor den Kurven oft zu spät und machen einen "Ausritt" in die Wiese. Wenn dies nicht zum Ausfall führt, kann es aber zumindest den einen oder anderen Platz kosten. Der Kurs im Albert Park ist übrigens keine permanente Rennstrecke, sondern wird jedes Jahr für den Grand Prix neu präpariert.

Blick auf den Albertpark
Blick auf den Albert Park (Eigene Aufnahme, 05.05.2010)

Das Rennen des Jahres 2009 hatte den Beginn der beispiellosen Erfolgstory des Brawn-Teams gebracht, indem Jenson Button einen souveränen Start-Ziel-Sieg einfuhr. Nachdem er als Weltmeister vor Beginn der Saison 2010 zu McLaren gewechselt war, hatten die meisten erwartet, dass er dort völlig im Schatten von Lewis Hamilton stehen und vom Team benachteiligt würde. Doch es kam anders: Button und Hamilton erweisen sich als britisceh Gentlemen und bildeten 2010 das vielleicht harmonischste und kooperativste Team in der Formel 1. Und es war Jenson Button, der den ersten Sieg der Saison für McLaren einfuhr und damit seinen Vorjahreserfolg wiederholte. Dabei spielten Glück - eine Startkarambolage mit den Weltmeisterkollegen Fernando Alonso (Ferrari) und Michael Schumacher (Mercedes) ging glimpflich aus - vor allem aber taktisches Geschickt eine Rolle. Bei leichtem Regen waren alle Fahrer mit Intermediates an den Start gegangen. Button wechselte nach 6 Runden als erster auf Slicks - eine mutige, aber goldrichtige Entscheidung. Als die anderen Fahrer einige Runden später wechselten, hatten sie bereits viel Zeit verloren. Der Weltmeister hatte sich vom vierten Startplatz bereits auf Rang 2 vorgearbeitet. Vor ihm lag nur noch Sebastian Vettel (Red Bull), doch als der mit einem technischen Defekt ausschied, war Button der Sieg nicht mehr zu nehmen. Zweiter wurde überraschend Robert Kubica, er von der oben erwähnten Startkarambolage nicht uerheblich profitiert hatte. Hinter den beiden Ferraris kam Nico Rosberg (Mercedes) auf Rang 5 ins Ziel - es sollte in dieser Saison eine Art Stammplatz für den deutschen werden ...

Das Rennergebnis 2010:
  1. Jenson Button (McLaren)
  2. Robert Kubica (Renault)
  3. Felipe Massa (Ferrari)
  4. Fernando Alonso (Ferrari)
  5. Nico Rosberg (Mercedes)
  6. Lewis Hamilton (McLaren)
  7. Vitantonio Liuzzi (Force India)
  8. Rubens Barichello (Williams)
  9. Marc Webber (Red Bull)
Das Rennergebnis 2009:
  1. Jenson Button (Brawn)
  2. Rubens Barichello (Brawn)
  3. Jarno Trulli (Toyota)
  4. Timo Glock (Toyota)
  5. Fernando Alonso (Renault)
  6. Nico Rosberg (Williams)
  7. Sebastien Buemi (Toro Rosso)
  8. Sébastien Bourdais (Toro Rosso)

Obwohl Melbourne - wie schon 2010 - in der Saison 2011 Bahrain zu Saisonbeginn den Vortritt lässt, werden die Fahrer gleichwohl mit den Tücken der Strecke zu kämpfen haben; Spannung pur ist wie in den beiden Vorjahren auf jeden Fall garantiert.

TIPPS ZUR WAHL IHRES TRIBÜNENPLATZES

Wo entlang einer Rennstrecke man sich seinen Beobachtungsplatz sucht, ist sicherlich eine Frage des persönlichen Interesses. Der eine möchte die Startphase und die - oft rennentscheidenden - Boxenstops keinesfalls verpassen, der andere liebt die Geschwindigkeit und postiert sich an einer schnellen Geraden. Spannung pur versprechen manche Schikanen und Kurven. Dann gibt es bei einigen Grand Prix Tribünen oder Stehplätze, von denen aus man einen beträchtlichen Teil des Kurses überblicken kann. Oft ergänzen auch große TV-Wände den direkten Blick auf die Strecke.

Detaillierte Karte der Rennstrecke (PNG, 1.4mb, neues Fenster)

Auch in Melbourne sind die meisten Tribünen entlang der Start- und Zielgeraden mit der Boxengasse platziert. Nach dem Start tut sich hier aber oft nicht mehr viel, denn Regenrennen mit vielen Boxenstopps sind in Australien die absolute Ausnahme. Viel interessanter ist das Ende der langen Geraden, denn das ist die entscheidende Stelle des Rundkurses. Fast alle Überholmanöver spielen sich hier eingangs der ersten Kurvenkombination (Kurven 1 & 2) ab. Mancher Fahrer verliert auch unfreiwillig die eine oder andere Position, weil er die Kurve im wahrsten Sinne des Wortes nicht kriegt und einen Ausflug in die Wiese macht. Die Tribünen Jones Stand oder Brabham Stand bieten deshalb beste Chancen, rennentscheidende Situationen hautnah mitzuerleben. Auch beim Qualifying sitzen Sie hier genau richtig. Der kleinste Patzer in der schwierigen Kurve kann beim Einzelzeitfahren die entscheidenden zehntel Sekunden kosten.

Foto Jones Stand Foto Brabham Stand
Blick vom Jones Stand (L) und vom Brabham Stand (R) auf Kurven 1 & 2
Lageplan Brabham Stand und Jones Stand
Ausschnitt des Streckenplans mit Jones und Brabham Stands

Der sich nun anschliessende Streckenteil besteht aus kurzen Geraden, auf die jeweils schikanenartige Kurvenkombinationen folgen, in denen man sich leicht verbremsen kann. Zudem sind die Passagen sich zum Verwechseln ähnlich, woraus ebenfalls der eine oder andere Fahrfehler resultiert. Für den Zugang zu diesen Streckenteilen benötigen Sie lediglich ein Stehplatz-Ticket ("General Admission"). Tribünen gibt es erst wieder in den Kurvenkombinationen, die die Gegengerade (eigentlich eine extrem langezogene Linkskurve) am Ostufer des Albert Park Lake einrahmen. Bei den Fahrern dürfte dieser Abschnitt für einen zusätzlichen Adrenalinstoß sorgen, fahren sie doch mit 300 km/h an einer Betonmauer entlang, um dann mit immerhin noch 200 km/h durch eine der schnellsten Links-Rechtskombinationen (Kurven 11 & 12) im Formel 1-Kalender zu fegen. Beobachten können Sie die rasante Kurvenfahrt vom Waite-Stand aus.

Foto Waite Stand
Blick vom Waite Stand auf Kurve 12

In einigen Rennen avancierte die nachfolgende Kurve 13 (Ascari-Kurve) zur wichtigsten Überholstelle. Leider gibt es ausgerechnet in diesem Bereich keine Tribünen. Die Ascari-Kurve liegt bereits im 3. Sektor, einem fahrtechnisch eher unproblematischen Abschnitt. Aber genau hier haben sich FERRARI und vor allem Michael Schumacher jahrelang die entscheidenden Sekunden erarbeitet. Von den Tribünen Schumacher Stand und Prost Stand aus können Sie die Feinheiten und Unterschiede bei den einzelnen Fahrern verfolgen, während sie die Kurven 15 und 16 nehmen. Kurve 16 ist von ganz entscheidender Bedeutung: nur wer hier optimal in die lange Start- und Zielgerade hineinbeschleunigt, hat an deren Ende genügend Speed, um aussichtsreiche Überholversuche starten zu können.

Foto Schumacher Stand Foto Prost Stand
Blick vom Schumacher Stand (L) und vom Prost Stand (R) auf Kurve 16
Lageplan Waite Stand und Prost Stand
Lageplan Waite, Prost und Schumacher Stands